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Der Crack aus den Alpen

© Paul R. Grove
Sieg im 18-Goal Challenge Cup, zwei Victor-Ludorum-Titel, Handicap +5 in Argentinien: Pierandrea Müller setzt einen neuen Maßstab für den deutschsprachigen Polosport.

Cowdray Park, 2. August 2026. Als Jonathan Russell, CEO des Cowdray Estate, den Challenge Cup überreicht, nimmt ihn ein 25-jähriger Schweizer entgegen. Pierandrea Müller hat Standing Rock soeben mit vier Feldtoren zum 12:7-Finalsieg über Tamodi geführt — und wird dafür mit dem Gusbourne Most Valuable Player Award ausgezeichnet. Es ist der Schlusspunkt einer britischen Saison, wie sie im deutschsprachigen Raum ihresgleichen sucht: drei Turniersiege, dazu die 8-Goal- und die 18-Goal-Victor-Ludorum-Meisterschaft — jene Gesamtwertungen, an denen je nach Kategorie bis zu 50 Teams teilnehmen und die die konstant stärkste Mannschaft der Saison küren.

Wenige Tage später folgt die Nachricht, die aus einer großen Saison eine außergewöhnliche macht: Die Asociación Argentina de Polo hebt Müllers Handicap von 4 auf 5 Goals an. Kein Schweizer — und kein Spieler aus dem D/A/CH-Raum — hat diese Marke in jüngerer Vergangenheit erreicht. Bereits im Sommer war er in England von 3 auf 4 hochgestuft worden — auch das hatte zuletzt kein Schweizer erreicht.

„Der Unterschied beim Handicap im Vergleich zu Europa (Schweiz, Deutschland etc.) ist: In England und Argentinien ist das Niveau des Polosports viel höher — wegen des Niveaus der Spieler, der Qualität der Pferde, der Plätze, und weil die Saison länger ist. All das macht das Polo dort deutlich kompetitiver. Ein Handicap von 5 Goals bedeutet: ein sehr guter Spieler auf jedem Niveau, überall auf der Welt — und dieses Handicap zu erreichen, ist außerordentlich schwierig.“

Tachu Carlos Solari
Argentinischer Profi, der lange Zeit in der Schweiz gespielt hat

Tony Ramirez / Images Of Polo

Wie hoch diese Einstufung zu bewerten ist, zeigt der Vergleich: Ein Handicap aus Argentinien oder England wiegt deutlich schwerer als eines aus dem deutschsprachigen Raum — ein 3-Goaler aus der Schweiz käme in England bestenfalls auf 2. Müllers 5 ist auf der härtesten Bühne des Weltpolosports erspielt: In der argentinischen Herbstsaison erreichte er das Finale des Abierto de Tortugas (22 Goals) und — an der Seite von Facundo Pieres — des Abierto de Pilar Chico, mit 28 Goals das höchstklassige Turnier der Herbstsaison. Im Februar gewann er zudem das New Zealand Open in Cleveland.

Dabei ist Müller kein Berufsspieler. Der 25-Jährige studiert Volkswirtschaft an der Universidad Católica Argentina in Buenos Aires — Polo ist Leidenschaft, nicht Profession. Und eine späte dazu: Mit 15 saß er zum ersten Mal überhaupt auf einem Pferd; die erste Polostunde genügte, um ihn nicht mehr loszulassen. Zehn Jahre später führt er die Handicap-Liste des deutschsprachigen Raums an — so hoch eingestuft wie kein anderer aktiver Spieler. Thomas Winter hielt einst lange eine 5 in Deutschland, international wurde diese Einstufung jedoch nirgends geführt. Müllers 5 gilt dort, wo Polo am kompromisslosesten gespielt wird.

„Im Namen der Federation of International Polo gratuliere ich Pierandrea Müller herzlich zu dieser herausragenden Leistung. Dass wieder einmal ein Schweizer ein so hohes Handicap erreicht, erfüllt mich mit großer Freude und Stolz. Eine wunderbare Nachricht für den Schweizer und den europäischen Polosport.“

Dr. Piero Dillier
Präsident der Federation of International Polo (FIP)

 

Tony Ramirez / Images Of Polo

Das Finale in Cowdray war dabei die Kür einer Saison, die schwierig begann: José Araya fiel verletzt aus und verpasste die ersten drei Turniere. „Sobald unser Kernteam komplett war, war es eine große Freude, gemeinsam mit José, Jack Hyde und Simon Prado zu spielen, die in jedem Spiel alles geben“, sagt Müller. „Die Auszeichnung als MVP bedeutet mir sehr viel. Ich bin stolz, die Schweiz im internationalen Polosport vertreten zu dürfen — und mein Ziel ist es, die Messlatte weiter höher zu legen.“ Schon von 2022 bis 2024 hatte er die englische Victor-Ludorum-Wertung dreimal in Folge gewonnen; die Konstanz ist womöglich sein größtes Markenzeichen.

Nun kehrt Müller nach Argentinien zurück – dorthin, wo die nächste Saison und die nächste Herausforderung warten.

Neue Handicaps Argentinien 2026 — Aufstufung 4 auf 5 (Auszug)

SPIELER
Justo Laulhé (Alt 4 / Neu 5)
Pedro Chavanne (Alt 4 / Neu 5)
Luke Beaumont Hubert Wiles (Alt 4 / Neu 5)
Pierandrea Filippo Müller (SUI) (Alt 4 / Neu 5)

Text: POLO+10
Fotos: Paul R. Grove, Tony Ramirez / Image Of Polo, Paddy Ramirez

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