Drei Spiele mit nur einem Tor Unterschied, zwei dramatische Verlängerungen und schließlich ein viertes Viertelfinale, in dem der Titelverteidiger einen Drei-Tore-Rückstand noch drehte: Die Viertelfinals der Open de France BARNES boten ein außergewöhnliches Szenario nach dem anderen.
Dabei kam sogar eine Regel zum Einsatz, die in Chantilly offenbar noch niemand zuvor angewendet gesehen hatte: Nach einem torlosen ersten Extra-Chukker wurden die Tore verbreitert.
Akasha, Jolly Roger, Kazak und Octogone stehen im Halbfinale. Doch jedes dieser Teams musste hart um seinen Platz unter den letzten Vier kämpfen.
Akasha geht bis ans Limit
Viel enger hätte die Partie zwischen Akasha und Talandracas kaum sein können. Während der ersten fünf Chukker lag nie mehr als ein Tor zwischen den beiden Teams. Vor dem letzten Spielabschnitt stand es weiterhin 9:9.
Akasha schien die entscheidende Vorarbeit geleistet zu haben, als das Team auf 11:9 davonzog. Doch Talandracas gab sich nicht geschlagen. Zunächst erzielte Hugues Carmignac mit einem sehenswerten Treffer den Anschluss, ehe Juan Martín Zubia zum 11:11 ausglich. Verlängerung.
In dieser Phase eines Spiels kann bereits der kleinste Fehler die Entscheidung bringen. Akasha erhielt einen 60-Yard-Penalty – und Tommy Beresford, der insgesamt acht Tore erzielte, ließ sich diese Chance nicht nehmen: 12:11, Golden Goal und das erste Ticket für das Halbfinale.
Jolly Roger bezwingt das ungeschlagene Clinova
Nur wenige Stunden später entwickelte sich zwischen Clinova und Jolly Roger ein beinahe identisches Szenario. 2:2, 3:3, 4:4, 5:5 – beide Mannschaften lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, ohne dass sich eine Seite entscheidend absetzen konnte.
Jolly Roger musste zudem den Ausfall von Nicolas Tomasevich verkraften. Nachdem er vom Ball getroffen worden war, wurde er im dritten Chukker schließlich durch Juan Cruz Araya ersetzt. Doch auch dieser Rückschlag hinderte das schwedische Team von Niclas Johansson nicht daran, gegen das bis dahin ungeschlagene Clinova im Spiel zu bleiben.
Die Entscheidung fiel schließlich im letzten Chukker: 8:7 für Jolly Roger.
Während die Aufstellung eigentlich ein spannendes Duell zwischen den beiden Alfredos – Cappella und Bigatti – versprach, wurde Manuel Plaza de Ayala zum überragenden Mann der Partie.
Der 35-jährige Argentinier, ein bekanntes Gesicht bei den Open de France, ehemaliger Sieger des Abierto Juvenil und im vergangenen Jahr für die argentinische Nationalmannschaft nominiert, erzielte sieben der acht Tore von Jolly Roger. Eine herausragende Leistung, die das Team von Niclas Johansson ins Halbfinale führte.
Zwei Extra-Chukker – und plötzlich doppelt so breite Tore
Und dann kam Essso gegen Kazak.
Was mit hohem Tempo begann, entwickelte sich zunehmend zu einem echten Kräftemessen. Essso um den stets gefährlichen Guillermo „Sapo“ Caset und Kazak, insbesondere angetrieben von den beiden jungen Talenten Pedro Chavanne und Leon Donoso, lagen nach dem fünften Chukker mit 6:6 gleichauf.
Dann: kein einziges Tor im ersten Extra-Chukker.
An Chancen mangelte es keineswegs. Caset, einer der gefährlichsten Torschützen des Turniers und mit 31 Treffern weiterhin Führender der Torschützenliste, vergab einen Corner, der die Partie hätte entscheiden können. Ein Schuss von Pedro Chavanne landete am Pfosten.
Damit kam eine ebenso spektakuläre wie selten benötigte Regel zur Anwendung: Für den zweiten Extra-Chukker wurde die Breite der Tore von sieben auf 14 Meter verdoppelt – eine Premiere auf den Plätzen von Chantilly.
Schließlich war es Pedro Chavanne, der die Spannung beendete: 7:6 für Kazak.
Der junge Argentinier und der erst 16-jährige Chilene Leon Donoso zeigten erneut, warum ihnen so viel zugetraut wird. In einer Partie, in der jeder Ball entscheidend sein konnte, spielten aber auch die beiden Patrons Sébastien Aguettant für Kazak und Ian Gallienne für Essso auf der Back-Position wichtige Rollen und sorgten mit mehreren entscheidenden Defensivaktionen dafür, dass ihre Teams im Spiel blieben.
Am Ende musste es einen Sieger geben. Nach einem der ungewöhnlichsten Enden dieses Turniers hieß er Kazak.
Sainte-Mesme durfte träumen – Octogone behielt die Nerven
Octogone hatte sich das letzte Viertelfinale möglicherweise etwas einfacher vorgestellt. Doch mit dem Kampfgeist von Robert Strom und seinem Team hatten die Titelverteidiger nicht gerechnet.
Sainte-Mesme setzte Octogone lange unter Druck und führte im vierten Chukker sogar mit 8:5. Strom erzielte den achten Treffer mit einem großartigen Cogote, dem spektakulären Schlag unter dem Hals des Pferdes.
Erneut standen auch die jungen Spieler im Mittelpunkt. Fermín MacDonough und Dante Castagnola waren entscheidend an der starken Leistung von Sainte-Mesme beteiligt, wobei MacDonough allein fünf Tore erzielte.
Doch Octogone ist nicht ohne Grund Titelverteidiger.
Hazel Jackson verkürzte noch vor Ende des vierten Chukkers auf 8:6 und leitete damit die Aufholjagd ein. Pelón Stirlings Erfahrung und Spielübersicht, Louis Hines Geschwindigkeit und Jacksons konsequente Clearing-Arbeit öffneten ihren Teamkollegen immer wieder den Weg nach vorne.
Passenderweise war es schließlich Kapitän Alexis Morange, der mit Octogones neuntem Treffer sein Team wieder in Führung brachte.
Pelón Stirling sorgte anschließend mit einer außergewöhnlichen Einzelaktion für die Entscheidung. Aus der eigenen Hälfte startend, galoppierte er entlang der Boards, erreichte die 30-Yard-Linie und setzte aus scheinbar unmöglicher Position zum Schuss an: 10:8 bei noch zweieinhalb Minuten auf der Uhr.
Selbst der Goal Judge mit seiner Fahne hatte damit offenbar nicht gerechnet. Ein Geniestreich im entscheidenden Moment – und Pelón Stirling bewies einmal mehr seine ganze Klasse.
Vier Chukker lang durfte Sainte-Mesme von der Überraschung träumen. Octogone wartete einfach auf den richtigen Moment.
Weiterhin ungeschlagen trifft der Titelverteidiger am Donnerstag im Halbfinale auf Akasha.
Halbfinals
Donnerstag, 17. September
Jolly Roger King of Polo (SWE) vs. Kazak (FRA)
Akasha (FRA) vs. Octogone (SUI)
Jetzt übernehmen die Frauen
Nachdem die vier Halbfinalisten der Herren feststehen, gehört das Spielfeld in Chantilly nun den Spielerinnen der Women’s Open de France SkinCeuticals.
Das Turnier beginnt am Dienstag um 12 Uhr mit Augustinus Bader gegen Swee. Um 17 Uhr folgt WhyNot mit Hazel Jackson. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt der Engländerin in Chantilly also nicht.
Mit 28 Spielerinnen aus 14 Nationen und vier ehemaligen Siegerinnen der Argentine Women’s Open bringt das Damenturnier eine weitere hochkarätige Dimension in die letzte Woche des World Polo Festival in Chantilly.
Die Männer sind noch zwei Spiele vom Titel entfernt. Für die Frauen beginnt der Kampf um die Trophäe gerade erst. Die entscheidende Woche in Chantilly kann beginnen.
Ergebnisse der Viertelfinals
Akasha 12:11 Talandracas – nach Verlängerung
Akasha: Alexandre Garese – FR, 0; Ciro Urturi – ARG, 3 (1 Tor); Facundo Fernandez Llorente – ARG, 7 (2 Tore); Tomas Beresford – UK, 7 (8 Tore, davon 1 Penalty)
Talandracas: Hugues Carmignac – FR, 1 (2 Tore); Gonzalo Ferrari – ARG, 7 (2 Tore); Juan Martin Zubia – ARG, 8 (6 Tore); Edouard Carmignac – FR, 0
BPP (Best Playing Pony): Irenita Musical (Dolfina Cuarteto x Irenita Sinfonia), gespielt von Facundo F. Llorente.
Spielverlauf Akasha: (0:1) 2:2 / 4:5 / 7:7 / 9:9 / 11:11 / 12:11
Clinova Circulare 7:8 Jolly Roger King of Polo
Clinova Circulare: Raja Karim – UK, 0 (3 Tore); Milo MacDonough – ARG, 2; Felix Esain – ARG, 6 (2 Tore); Alfredo Cappella – ARG, 8 (2 Tore)
Jolly Roger King of Polo: Niclas Johansson – SWE, 0; Nicolas Tomasevich – ARG, 3 (1 Tor, im dritten Chukker ersetzt durch Juan Cruz Araya – 0 Tore); Manuel Plaza de Ayala – ARG, 6 (7 Tore); Alfredo Bigatti – ARG, 7
BPP: Dolfina Imputada (Dolfina Guitarrero x Dolfina Acusada), gespielt von Manuel Plaza de Ayala.
Spielverlauf Jolly Roger King of Polo: 2:2 / 3:3 / 4:4 / 5:5 / 8:7
Essso 6:7 Kazak – nach zwei Extra-Chukkern
Essso: Ian Gallienne – FR, 0; Patricio Gaynor Jr – ARG, 3; Guillermo Caset – ARG, 8 (5 Tore); Javier Guerrero Jr – ARG, 6 (1 Tor)
Kazak: Sébastien Aguettant – FR, 0; Pedro Chavanne – ARG, 5 (4 Tore); Leon Donoso – CHI, 5 (1 Tor); Teodoro Lacau – ARG, 7 (2 Tore)
BPP: Espi Talinda, gespielt von Leon Donoso.
Spielverlauf Kazak: 3:1 / 4:3 / 4:4 / 5:4 / 6:6 / 6:6 / 7:6
Octogone 10:8 Sainte-Mesme
Octogone: Alexis Morange – FR/SUI, 0 (1 Tor); Hazel Jackson – UK, 2 (1 Tor); Louis Hine – UK, 6 (6 Tore); David „Pelón“ Stirling – URU, 8 (2 Tore)
Sainte-Mesme: Fermín MacDonough – ARG, 3 (5 Tore); Robert Strom – FR, 5 (2 Tore); Dante Castagnola – ARG, 3 (1 Tor); Clemente Zavaleta – ARG, 5
BPP: Open Bikini (Ellerstina Picaro x Ellerstina Chalina), gespielt von David „Pelón“ Stirling.
Spielverlauf Octogone: 1:2 / 3:2 / 5:4 / 6:8 / 10:8
Finaltag – Sonntag, 20. September
Ab 11 Uhr auf Terrain d’Honneur 1 & 2, l’Orangerie.
Drei Finals an einem einzigen Tag, Entertainment, das Rallye d’Aumale, Stände und Foodtrucks bilden den Höhepunkt von drei Wochen hochklassigem Polo.
11:00 Uhr – Öffnung von Village und Polo Lounge
12:00 Uhr – Finale der Open de France Ladies
15:00 Uhr – Finale der Open de France BARNES
17:30 Uhr – Finale der Trophée Castel
Der Club öffnet seine Türen außerdem für alle, die Polo bei einer Schnupperstunde selbst ausprobieren möchten. Weitere Informationen gibt es unter poloclubchantilly.com/polo-school.
Praktische Informationen
Anfahrt zum Polo Club
In GPS oder Navigations-App einfach „Polo Club du Domaine de Chantilly“ eingeben. Die gängigen Navigationssysteme führen direkt zum Eingang des Clubs.
Übertragung der Spiele
Alle Partien der Open de France BARNES werden aufgezeichnet und anschließend auf Pololine TV als Replay angeboten. Ab dem Viertelfinale werden die Spiele zusätzlich live übertragen.
Ergebnisse und Statistiken
Live-Scores, Ergebnisse und vollständige Turnierstatistiken sind auf der Website des Polo Clubs sowie über die ChukkerApp verfügbar. Dort werden während der gesamten Saison auch alle weiteren in Chantilly ausgetragenen Turniere begleitet.







